Was man mit Worten nicht ausdrücken kann

Nur bis zu einem bestimmten Punkt können Lebende einen Sterbenden begleiten. Ab diesem Punkt ist er dann zwar tatsächlich allein in der Konfrontation mit dem eigenen Tod, aber dank der Hospizarbeit kann der Zeitraum davor mit Leben, Wärme und Würde gefüllt werden. Es gibt wohl kaum eine Einrichtung in der Region, die man so sehr mit Fug und Recht als segensreich bezeichnen kann wie das Friedel-Orth-Hospiz in Jever.


Nach nur 100 Tagen seit der Eröffnung ist es so erfolgreich und nachgefragt, dass es Betreibern und Unterstützern diese Woche fast ein bisschen unbehaglich zu sein schien, darüber zu berichten. Denn was kann gemeint sein, wenn eine Einrichtung, in die Menschen zum Sterben einziehen, „gut angelaufen“ oder „erfolgreich“ ist? Fördervereinsvorsitzender Volker Landig brachte das Formulierungsproblem auf den Punkt: „Das gibt unsere Sprache nicht her.“ 


Sterbebegleitung kann zwar professionell, nicht aber betriebswirtschaftlich „erfolgreich“ sein – egal, wie viele Menschen im Hospiz ihre letzten Monate, Wochen oder Tage verbringen. Der Hospizbetrieb ist nämlich kein Geschäft, sondern wirklich ein Segen. Und er ist erfolgreich, weil immer mehr Menschen erkennen, dass hier in Jever mit Hingabe gearbeitet wird. Und weil sich Förderer, Sponsoren und Freiwillige nicht nur aus Jever, sondern aus dem ganzen Landkreis und aus Wilhelmshaven in den Dienst der guten Sache stellen. Das darf man sehr wohl als einen Erfolg bezeichnen!


Christoph Hinz, 8. Oktober 2011