Stell Dir vor ...
Stell dir vor, es ist Kommunalwahl, und keiner geht hin. Oder nur ganz wenige, wie vor fünf Jahren, als in Friesland nicht einmal die Hälfte der Wahlberechtigten die Chance nutzte, bei der Besetzung der Stadt- und Gemeinderäte, des Kreistages oder gar des Bürgermeistersessels im Rathaus mitzuwirken.
Stellen wir uns das also vor: Dann werden natürlich trotzdem Leute auf diesen Positionen sitzen, und die werden vielleicht darüber beschließen, ob Grundschulen geschlossen, Feuerwehren abgeschafft, Kinderspielplätze mit Häusern bebaut, Leinenzwänge für Hunde verhängt, Zäune an den Stränden erneuert, Kanalgebühren erhöht oder andere Dinge getan werden, über die wir als Bürger uns aufregen müssen.
Dann werden sie uns vorhalten: Ihr habt uns doch gewählt! Und dabei haben wir sie gar nicht gewählt, weil wir einfach nicht hingegangen sind. Weil das Wetter so gut war, oder weil das Wetter so schlecht war, oder weil nachder Fete vom Samstagabend die Müdigkeit in den Knochen saß, oder weil wir dieKandidaten alle so doof finden oder weil die Kommunalwahl so langweilig und die Kommunalpolitik so unwichtig ist.
Unwichtig? Was in den Stadt- und Gemeinderäten von Laien beschlossen wird, berührt uns meist viel unmittelbarer als das, was die Polit-Profis im Landtag, Bundestag und Europaparlament treiben. Es geht um unsere Städte und Dörfer, um unsere Schulen und Kindergärten, um unsere Straßen und Grünanlagen, es geht nicht zuletzt um unser Geld. Wir sollten also allergrößtes Interesse haben, dass die Laien, die uns dort in den Gremien vertreten, wenigstens kluge, vernünftige, nachdenkliche und uneigennützig engagierte Leute sind. Oder im Falle der Landräteund Bürgermeister: die besten, die wir kriegen können. Stell dir vor, es ist Kommunalwahl, und wir gehen nicht hin. Dann sollten wir hinterher aber auch nicht über schlechte Kommunalpolitik jammern . . .
Helmut Burlager, 10. September 2011
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