Wahrheitssuche

Zu den erfolgreichsten Momenten im Leben von Journalisten gehört es, wenn sie aus Politikern Aussagen herauskitzeln können, die diese am liebsten fest in ihrem Kopf verschließen würden. Weil Wahrheit ja oftmals nicht dienlich ist, wenn man Wahlen gewinnen möchte. 

Je professioneller ein Politiker, desto mehr versteht er sich darauf, seine wahren Absichten hinter wohlklingenden Floskeln zu verbergen. Diese Kunst ist bis weit in den Amateurbereich hinein verbreitet, und wenn in diesen Wahlkampfwochen die Journalisten der Region die Kommunalpolitiker auf dem Podium befragen, müssen sie die Themen und Fragen schon geschickt setzen, um Redner vom Schwadronieren abzuhalten.

Erfrischend war insofern, wie offen bei der Podiumsdiskussion am Donnerstag in Hooksiel die Vertreter der wangerländischen Parteien und Wählergruppen Farbe bekannten in einer Frage, die auf dem Lande von großer Bedeutung ist. Es geht um die Zukunft der Feuerwehren, sieben an der Zahl im Wangerland, und bislang hatte sich die Politik vor der Entscheidung gedrückt, welche dieser Wehren auf Sicht gebraucht werden und welche die Gemeinde sich nicht mehr leisten kann und will. 

Der neue Gemeinderat wird nicht umhin kommen, sich festzulegen, und die Kandidaten räumten mehr oder weniger unumwunden ein, dass da Schnitte notwendig sind, die in den betroffenen Orten weh tun werden. Das hören die Leute sicher nicht gern. Aber wollen sie lieber belogen werden? 

Genauso verhält es sich mit der Frage, wie viele Grundschulen es künftig noch geben wird oder ob – um auf andere Kommunen zu schauen – Jugendzentren oder Schwimmbäder weiter finanziert werden können. Heiße Eisen. Hochachtung vor denen, die sie mit vollem Risiko anfassen.

Helmut Burlager / 19.08.2011

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